Ein Aufruf für mehr Innovation in den Unternehmen!

Mit dem Titel “Werdet wütend!” gibt es bei brand eins ein tolles Interview mit Gary Hamel, einem amerikanischen Management-Berater. In dem Artikel beschreibt Hamel seinen Kampf gegen die Bürokratie in Unternehmen.

Aus meiner Sicht ein unglaublich relevantes Themenfeld. Auch da sich Unternehmen heute mehr Manager als je zuvor leisten. 

“Das kostet allein die USA geschätzte drei Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung im Jahr oder rund 17% des Bruttoinlandsprodukts, Deutschland um die 800 Milliarden.”

Gary Hamel im Interview (brand eins)

Viele Herausforderungen führen in Unternehmen dazu, neue Hierarchien bzw. neue Bürokratie zu schaffen. Es gibt den Chief Environmental Officer, den Chief Digital Officer, Chief Transformation Officer, Chief Technology Officer, Chief Innovation Officer, diverse General Manager und so weiter.

Dabei wünschen sich 84% der Befragten in einer Studie, stärker auf Entscheidungen im Unternehmen Einfluss nehmen zu können.

Es ist klar, dass nicht jeder bei allen Sachen mitreden kann oder soll. Dennoch wird Mitarbeitern in vielen Unternehmen viel zu wenig vertraut und viel zu viel künstlich zwischen “Denkern da oben” und “Machern da unten” unterschieden.

Das gilt für Wirtschafts- und Industrieunternehmen und hier wohl in großem Umfang für das Gesundheitswesen und die Finanzbranche.

Für die Studie “Mastering Complexity Through Simplification” wurden mehr als 1100 Firmen aus 48 Ländern befragt. Die Deutschen geben hier folgendes an:

  • Wir brauchen deutlich länger als die Konkurrenz, um neue Produkte auf den Markt zu bringen.
  • Es dauert unerklärlich lange, bis Entscheidungen gefällt werden.
  • Schlechte Zusammenarbeit einzelner Abteilungen lähmt das ganze Unternehmen.

Laut Gary Hamel ist die Bürokratie ein ebenso großes Problem wie Feudalismus oder Sklaverei. Ich weiß nicht, ob der Vergleich wirklich passend ist. Ganz bestimmt führt dies aber zu einer unfassbaren Verschwendung von menschlichen Fähigkeiten.

Was lässt sich tun? Natürlich ist das eine super komplexe Frage, auf die sich keine einfache Antwort finden lässt. Viele Unternehmen versuchen es mit Inkubatoren und Innovations-Labs. Aus meiner Sicht eine gute Sache, aber vermutlich leider häufig eher ein nettes Spielfeld als ein wirklich disruptives Unterfangen. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass Innovationsansätze es schaffen die etablierte Bürokratie bspw. bei Volkswagen nachhaltig zu reduzieren.

Aus meiner Sicht sind diese drei Ansätze vielversprechend:

1. Mitarbeitern mehr vertrauen

Unternehmen wie Google oder Facebook hinterfragen sich ständig. Und sie sind sich nicht zu schade Produkte wieder einzustampfen, wenn diese nicht richtig funktionieren. Und – vielleicht noch wichtiger – sie vertrauen den Mitarbeitern. Ein Mitarbeiter hat in diesen Unternehmen vergleichsweise sehr große Freiheiten. So ermutigt Google die Führungskräfte vor allem als Coach zu agieren und den persönlichen Erfahrungsschatz eines Mitarbeiters zu nutzen, um Lösungen zu entwickeln oder eine neue Sichtweise auf eine Situation zu gewinnen. 
Ich bin fest davon überzeugt, dass es statt um Standardisierung und feste Arbeitsroutinen in Zukunft wieder mehr um Dinge wie Experimentierfreude, Offenheit, Gemeinschaft und mehr Marktdenken – und auch Vertrauen gehen muss. 

2. Nicht beschweren – einfach machen

Hamels Ratschlag ist naheliegend und folgerichtig zugleich: Beschwere dich nicht, sondern mach halt. Finde ein paar Kollegen und überlegt euch ein Experiment. Probiert ein paar simple Hypothesen aus, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Wandel geht auch ohne OK vom Chef und großes Budget.

3. Unternehmen in Einheiten aufbrechen

Als ein Beispiel führt Gary Hamel hier das Unternehmen Haier an. Dabei ist Haier (insg. ca. 30.000 Mitarbeiter) in Mikro-Unternehmen aus 15 bis 20 Mitarbeitern aufgeteilt – und mit dieser Vorgehensweise höchst erfolgreich. Ein Beispiel: 

Ein Gruppenleiter für die Entwicklung von Waschmaschinen benötigt ein verbessertes Bauteil. Dazu wird ein Auftrag ausgeschrieben. Um diesen können sich nun Forschungs- und Entwicklungsgruppen innerhalb des Unternehmens bewerben – aber auch externe Firmen. So werden Innovation und Selbstverantwortung in den Vordergrund gestellt. 

Gary Hamel argumentiert, dass eine hierarchische Pyramide dazu nötig ist, damit jemand an der Spitze eine Entscheidung treffen kann. Bei Haier (und ganz generell) sind Informationen aber ohne Zeitverzögerung für alle zugänglich. “Hierarchien sind irrelevant. Wir sind nur an sie gewöhnt.”

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