Deep Work ist die beste Entscheidung in einer Welt voller Ablenkungen [Buchrezension]

Das folgende (sehr sympathische) Video sagt eigentlich schon alles ziemlich viel und stellt die Frage, wie wir mit unserer Zeit umgehen wollen:

Ganz bestimmt gehen wir häufig zu sorglos mit unserer Zeit um und lassen uns fremdbestimmt verplanen. Vielfach haben wir nur dann das Gefühl produktiv zu sein, wenn der Kalender voll ist. Bill Gates und Warren Buffett sehen das (mittlerweile) anders: 

“You control your time … and that sitting and thinking may be a much higher priority …”

Bill Gates

Wir lassen uns nur allzu gerne ablenken. 5 Minuten in der Schlange vor der Kasse warten – Smartphone. 10 Minuten auf die Freundin im Restaurant warten – Smartphone. Ein paar Minuten in der S-Bahn – Smartphone.

Wenn man aber jedem Moment potentieller Langeweile durch einen Blick auf das Smartphone erleichtert, dann stellt sich das Gehirn immer mehr auf permanentes “Multitasking” ein. Sich zu fokussieren fällt immer schwerer.

Das Problem dabei ist, dass wir uns häufig einreden: Klar, wenn ich mich konzentrieren muss, dann schalte ich alles aus und fokussiere mich. Leider funktioniert aber eben das vielfach nicht (mehr). Wenn man den Verstand nicht von der Ablenkungssucht entwöhnt, ist die Fähigkeit zu konzentriertem Arbeiten (und damit zu intellektuellen Höchstleistungen) stark eingeschränkt.

Der Autor (und Professor für Computerwissenschaften) Cal Newport hat zu diesem Phänomen ein super gutes Buch geschrieben: Deep Work.

“Deep Work” bei Amazon (Englisch)
“Konzentriert arbeiten” bei Amazon (Deutsch)

Mich hat das Buch sehr fasziniert, ist dieses nämlich kein typischer Ratgeber zum Thema Produktivität. Ich glaube jeder, der am Schreibtisch arbeitet (also letztlich jeder “Wissensarbeiter”) kann aus diesem Buch eine Menge mitnehmen.


Zum Buch:

Cal Newport zeigt in dem Buch den Zusammenhang von Konzentrationsfähigkeit und Spitzenleistung auf. Das ist erstmal keine super neue Erkenntnis. Aber es ist doch bemerkenswert, dass viele erfolgreiche Persönlichkeiten sich seit jeher systematisch Bedingungen schaffen, um auf diese Weise voll und ganz in ihr Schaffen eintauchen zu können.

Cal Newport – KONZENTRIERT ARBEITEN / DEEP WORK

Woody Allen hat in 44 Jahren 44 Filme inszeniert und 23 Oscar-Nominierungen erhalten. Sein Erfolg ist (neben seinem Talent) vor allem durch Deep Work zu erklären. Ein anderes Beispiel ist der Cyberpunk-Autor Neal Stephenson, der so gut wie gar nicht elektronisch erreichbar ist, damit er in Ruhe schreiben kann. 

In dem Buch führt Newport viele weitere Beispiele von Persönlichkeiten auf, die Deep Work praktizieren und damit mit ihrer (intellektuellen) Produktivität zu vielen Wissensarbeitern im Kontrast stehen. Denn wie bereits skizziert haben wir leider vielfach vor lauter Betriebsamkeit die Fähigkeit zu anhaltender Konzentration verloren.

Deep Work ist selten. Und vor allem wertvoll.

Die Fähigkeit, über lange Zeit die Aufmerksamkeit zu fokussieren und konzentriert geistig zu arbeiten, geht verloren, wenn sie nicht praktiziert wird. So wird die Fähigkeit zu Deep Work immer seltener – und dementsprechend immer wertvoller:

  • Deep Work ist notwendig, um schnell und effektiv Neues zu erlernen.
  • Deep Work ist ein Erfolgsfaktor für die berufliche Weiterentwicklung.
  • Deep Work wird immer wichtiger, da wir einer globalen Vergleichbarkeit ausgesetzt sind. Umso wichtiger ist es das Beste aus sich herauszuholen.

[…] die Verlagerung unserer Arbeitskultur zum Oberflächlichen stellt eine erhebliche ökonomische und persönliche Chance für die wenigen dar, die den Wert des Widerstands gegen diesen Trend erkennen und dem Tiefgang mehr Priorität einräumen.

Cal Newport – Deep Work: Konzentration, bitte! ZEIT Online

Konzentration ist Sache des Trainings

Im Buch beschreibt Newport verschiedene Regeln, um Deep Work zu lernen und zu trainieren: 

Deep-Work-Regel 1: Konzentration
Deep Work spontan in den Alltag zu integrieren, wird ganz sicher nicht funktionieren. Newport hat verschiedene Ansätze identifiziert, um Deep Work an die persönliche Situation anzupassen. Beispielsweise die “bimodale Deep-Work-Methode“, bei der eine strikte zeitliche und örtliche Trennung zwischen Deep-Work-Phasen und anderen Tätigkeiten vorgesehen ist.

Deep-Work-Regel 2: Langeweile
Cal Newport empfiehlt auch die Zeit der Zerstreuung und Ablenkung genau zu planen. Also beispielsweise mit einem Zettel zu notieren, wann man wieder online geht. Dieses Regime durchzuhalten, ist ein ständiges Training der Willenskraft, der „mentalen Muskulatur“.
Ganz im Sinne von: „Wenn du arbeitest, dann arbeite intensiv. Wenn du fertig bist, dann lass es bleiben.“ 
Bezugnehmend auf das Statement von Bill Gates im obigen Video ist es eben keine gute Idee den eigenen Tag möglichst viel und lange zu verplanen. Vielmehr ist Langeweile ein Schlüsselelement für intellektuelle Höchstleistungen

Deep-Work-Regel 3: Social Media
Vor allem die sozialen Medien haben eine enorme Ablenkungsmacht. Das Scrollen durch den Facebook-Feed oder das Durchstöbern von Websites mit Nachrichten oder Infotainment fragmentieren die Aufmerksamkeit und sabotieren die eigene Konzentration. Je größer die Ablenkung, desto mehr Willenskraft ist nötig, um konzentriert zu arbeiten.
Newport empfiehlt sich den Nutzen, den ein bestimmtes Social-Media-Tool für einen selber hat, klar zu machen. Und das Tool dann nur zu diesem klar definierten Zweck einzusetzen. 

Deep-Work-Regel 4: Seichte Tümpel
Im aktuellen Tagesablauf gilt es die Shallow-Work-Phasen (kognitiv anspruchsarme Aufgaben ohne wirklichen Mehrwert) aufzuspüren und so weit wie möglich zu eliminieren.
Ganz allgemein wird Shallow Work überschätzt und in ihrer schädlichen Wirkung unterschätzt. Meist ist Shallow Work nicht zu vermeiden, sollte laut Newport aber aggressiv auf ein Minimum reduziert werden.

Einige Take-aways aus dem Buch “Deep Work”:

  • Deep Work ist geistige Tätigkeit im Zustand höchster Konzentration.
  • Konzentration ist eine Sache des Trainings. 
  • Die Fähigkeit zu Deep Work wird immer seltener und immer wertvoller.
  • Allein durch Deep Work lässt sich schnell Neues erlernen oder hervorragende Leistungen erbringen.
  • Der Kampf gegen Ablenkung erfordert Willenskraft. Sie ist der limitierende Faktor für Deep Work.
  • Willenskraft erschöpft sich im Tagesverlauf wie ein Muskel. Wie ein Muskel kann sie aber auch trainiert werden.
  • Der erste Schritt ist eine genaue Erfassung und Planung der täglichen Aktivitäten: Bestimme bei der Vorausplanung der Arbeitszeit, wann du hoch konzentriert arbeitest und wann du Aufgaben erledigst, in der die Konzentration weniger tief sein kann.

Fazit:

Nie war mehr Information, nie mehr Wissen schneller, besser und billiger verfügbar als heute – wir befinden uns in einem Kampf um Aufmerksamkeit. Die Fähigkeit zu konzentriertem Arbeiten und zu intellektuellen Höchstleistungen geht immer mehr verloren.

Deep Work ist so wichtig, dass wir es mit den Worten des Business-Autors Eric Barker durchaus als “Supermacht des 21. Jahrhunderts” bezeichnen dürfen.

Cal Newport – Deep Work: Konzentration, bitte! ZEIT Online

Das Buch “Deep Work” macht die Relevanz von konzentriertem Arbeiten deutlich und zeigt auf, wie man Deep Work lernen und trainieren kann.

Das Buch motiviert noch konsequenter den süchtig machenden Ansturm von Unterhaltung auf die eigene Zeit und Aufmerksamkeit ein Ende zu setzen.

Wenn man dem Verstand während des Tags eine sinnvolle Beschäftigung gibt, so endet man den Tag erfüllter und beginnt den nächsten entspannter (als wenn man ihm stattdessen erlaubt, stundenlang im halb bewussten und unstrukturierten Internetsurfen zu daddeln). Und auch den Zusammenhang zwischen tiefer Konzentration und Glücksempfinden beschreibt Newport dementsprechend in seinem Buch: Menschen die hoch konzentriert arbeiten, sind letztlich auch glücklicher.

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