Erstelle einen Masterplan für die nächsten Jahre – aber sag es niemandem!

Wenn die Motivation fehlt, fehlt oft nur ein Ziel

Wo will ich in fünf Jahren beruflich stehen?
Wie komme ich dorthin?
Was möchte ich dort für mich und das Unternehmen erreichen?

Das sind prototypische Fragen, mit denen vermutlich die meisten zum ersten Mal in einem Bewerbungsgespräch konfrontiert werden. Neben der Vorbereitung zu einem Jobwechsel stellen sich viele diese Frage aber vermutlich nicht wirklich. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Einer ist wohl auch, dass der hektische Alltag viele davon abhält sich diese Fragen zu stellen.

Dabei kann eine Beantwortung der Fragen dabei helfen, die eigenen (beruflichen) Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Und noch wichtiger: Die Antworten können im besten Fall täglich motivieren.

Karriereplan und New Work?

In Zeiten von „New Work“ ist eine vorgezeichnete, lineare Karriere allerdings natürlich immer mehr die Ausnahme. Daher sollte man im Sinne von New Work die in diesem Blog schon vielzitierte Frage nach dem was man „wirklich, wirklich“ will in den Mittelpunkt stellen. Optimalerweise ist der Karriereplan dann auch Teil eines Persönlichkeitsplans.

So sollte man sich im Rahmen einer Karriereplanung mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen auseinandersetzen. Die Antwort auf die Frage „Was erwarte und erhoffe ich mir vom Job?“ kann entscheidend dafür sein, ob man im Job glücklich ist – oder eben nicht. Bei der Aufstellung eines Plans gilt: Groß denken. Und langfristig. Am Besten verpackt in ein anschauliches Bild. Wichtig ist, dass man die Fragen und Antworten auch wirklich aktiv (händisch) aufschreibt. Dabei reichen wenige Sätze, die am besten aktiv formuliert sind. Ein (komplett realitätsfernes) Beispiel:

Was will ich "wirklich, wirklich"?
Speaker? Was will ich „wirklich, wirklich“?

„Ich bin ein erfolgreicher Sprecher auf internationalen Konferenzen rund um das Thema „Internet und Netzökonomie“. Ich habe ein Kind und einen Partner. Ich lebe in einer Eigentumswohnung in einer großen Metropole.“ 
Natürlich geht es hier auch wieder um die Suche nach dem ganz persönlichen „Purpose“.

Um das Ziel greifbar werden zu lassen, sind realistische Zwischenschritte notwendig.
Anstatt: „Ich werde sämtliche Bücher lesen, die zum Thema Netzökonomie erschienen sind“ wäre so etwas besser:

„Im Mai 2019 arbeite ich das Buch „The Internet Trap: How the Digital Economy …“ von Matthew Hindman durch“.

Allerdings ist auch klar: Egal, ob man es nun Karriereplan, Masterplan oder Lebensplan nennt: Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und solchen, die ihre Ziele nicht erreichen, besteht vermutlich weniger in der Formulierung eines Plans. Wichtiger ist wohl vielmehr die Bereitschaft auf bestimmte Dinge zu verzichten und sich zu Gunsten eines Zieles einzuschränken.

Dein Masterplan? Sag es keinem weiter!

Soweit so gut. Ein Karriereplan kann sehr sinnvoll sein. Aber es ist besser, wenn du diesen für dich behältst.

Ein Blick auf das Beispiel der Gebrüder Wright (beschrieben von Aytekin Tank in Why you shouldn’t share your goals) zeigt warum: 

Auf der einen Seite stand damals Samuel Pierpont Langley, dem riesige Ressourcen und viele Unterstützer für sein Vorhaben, das erste bemannte Flugzeug zu bauen, zur Seite standen. Auf der anderen Seite waren die Gebrüder Wright, die nicht viel mehr hatten als einen kleinen Fahrradladen und die Leidenschaft zum Fliegen.

Die Historie zeigt: Die Gebrüder Wright haben ihr Ziel erreicht während Langley versagte.

Während Langley seine Ambitionen mit der Welt teilte und für seine Leistungen, die er noch nicht erreicht hatte, heftig gelobt wurde, erhielten die Gebrüder Wright wenig bis gar keine Aufmerksamkeit.

Der Motivationspsychologe Peter Gollwitzer fand heraus, dass, wenn man sich ein Ziel setzt, das eng mit der eigenen Identität verbunden ist und man diese Absichten mit anderen teilt, so erreicht man weniger wahrscheinlich das Ziel.

Ein Beispiel: Dein Ziel ist es mehr Wasser zu trinken. Erklärst du nun deinen Freunden, dass du mehr Wasser trinken wirst, so hat dies wenig bis keine Auswirkung darauf, ob du wirklich mehr Wasser trinkst oder nicht.

Warum? Weil mehr Wasser zu trinken nichts ist, was mit deiner Identität verbunden ist.

Wenn es aber bspw. dein Ziel ist 15 kg abzunehmen, dann ist es vielleicht nicht die beste Idee, eben das auf Facebook zu posten. Denn das Aussehen ist etwas, womit man sich identifiziert. Wenn du also sagst, dass du abnehmen möchtest, dann sagen vermutlich die Freunde wie großartig das ist und wie gut du aussehen wirst. Die Wahrscheinlichkeit, dass du abnimmst, ist nun aber deutlich geringer.

Der Unternehmer Derek Sivers hielt schon 2010 einen TED Talk zu genau diesem Thema:

TED Talk von Derek Sivers „Keep your Goals to Yourself“

Als Beweis bat er das Publikum, sich vorzustellen, wie sie sich fühlten, wenn sie Ziele mit anderen teilen:

“Imagine their congratulations and their high image of you. Doesn’t it feel good to say it out loud? Don’t you feel one step closer already? Like, it’s already becoming part of your identity?
Well, bad news. You should have kept your mouth shut. That good feeling makes you less likely to do it.”

Derek Sivers

Sivers erklärt weiter, dass es dieses „warme Gefühl“ ist das uns davon abhält weiter zu kämpfen, um unsere Ziele tatsächlich zu erreichen.

Wenn wir unsere Ziele offen teilen, spüren wir ein Erfolgsgefühl, das normalerweise erst nach Erreichen des Ziels einsetzt.

Das Ergebnis? Wir verfolgen nie wirklich unseren Masterplan.

Natürlich kann man das auch anders sehen. Was meinst du?

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