New Work

Was ist New Work?

New Work ist ein ganz großes Ding geworden. Ein Megatrend. Ein Phänomen mit unzähligen Blogs (so wie auch diesen hier), Podcasts, Veranstaltungen, Workshops, Büchern, Agenturen, Unternehmensabteilungen, Beratungsunternehmen etc.
Doch rund um den Begriff „New Work“ gibt es mittlerweile die wildesten Definitionen und Ausprägungen. Das sorgt für große Verwirrung und hat häufig schädliche „Nebenwirkungen“.

Ich bin sicherlich kein ausgewiesener Experte für New Work. Und ich bin mir sicher, dass es auf die Frage „Was ist New Work?“ keine einfachen Antworten gibt. Dennoch ist es aus meiner Sicht an der Zeit eine kurze Bestandsaufnahme zu machen und auf einige zentralen Aspekte rund um New Work einzugehen. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist New Work … und warum ist das so ein Hype?

Antwort:

Bei Google gibt es aktuell ca. 40 Mio. Suchtreffer zu „New Work“. Der Begriff wird mittlerweile geradezu inflationär verwendet – ein echtes Hype Thema eben. Doch wie es bei Hype Themen immer so ist: Jeder interpretiert den Begriff für sich und seine Anforderungen. New Work ist für jeden etwas anderes.

Doch gehen wir nochmals einen Schritt zurück. Auch wenn es keine allgemeingültige Definition gibt, so ist doch klar, dass die Arbeitswelt seit Jahren einen grundlegenden und strukturellen Wandel erfährt.

Einig sind sich wohl alle, dass New Work grundlegend die Umschreibung für eben diese Transformation ist. Eine Transformation, die durch Digitalisierung, Connectivität, Globalisierung angetrieben wird. So merken alle, dass Arbeit sich in vielen Bereichen grundlegend ändert und es irgendwie eine Art „Neue Arbeit“ (= New Work) gibt.

Bestimmte Berufe werden zukünftig überflüssig. Bereits heute sind die Jobs von 15 Prozent der Deutschen ersetzbar. Der Grund sind neue Technologien, die Digitalisierung und die Automatisierung. Aus meiner Sicht ist das keine unbedingt negative Entwicklung, sondern vor allem auch eine Chance. Und eine Entwicklung, die viele Menschen vor die Frage stellen wird, was sie in Zukunft machen wollen.

Dabei wurde der Begriff bereits in den 1970ern von Frithjof Bergmann geprägt. Verwirrend ist, dass heute unter New Work häufig etwas ziemlich anderes verstanden wird als damals. Frithjof Bergmann hat mehrfach gesagt, dass er unglücklich ist wie der Begriff verwendet wird.

Es gibt definitiv ein Definitions-Chaos. Doch aus meiner Sicht ist glasklar, dass New Work sehr viel mehr ist als nur eine moderne oder flexible Form der Büroarbeit. Homeoffice, flexible Arbeitszeiten oder Open Spaces sind lediglich ein sehr kleiner Teilaspekt.


Was war die ursprüngliche Idee von New Work?

Antwort:

Das ursprüngliche Konzept von Frithjof Bergmann war seine Antwort auf die zunehmende Ausbeutung des Menschen. Bergmann hatte damals die Aufgabe, Fließbandarbeitern (denen die Jobs gestrichen wurden) eine neue berufliche Perspektive aufzuzeigen. Er fand folgende Lösung: Anstatt Massenentlassungen sollte es für alle Arbeiter die Möglichkeit geben, 6 Monate weiter im Unternehmen zu arbeiten.

Während der nächsten 6 Monate kümmerten sich Experten im „Zentrum für neue Arbeit“ um die Menschen und halfen ihnen, herauszufinden, was sie wirklich, wirklich wollten. Die Mitarbeiter sollten (mit Unterstützung) in dieser freien Zeit die Mög­lich­keit bekommen, ihre Beru­fung zu finden. So ist New Work für Bergmann das Ergebnis eines langen, begleiteten Prozesses.

Zumindest aus meiner Sicht ist New Work damit auch immer eine Begegnung mit sich selbst und sehr eng verbunden mit der Frage das herauszufinden, was man „wirklich, wirklich will„.
Will ich wirklich „Client Partner“ werden, weil ich mich schon immer für die „wirtschaftliche und inhaltliche Verantwortung von digitalen Etats” interessiert habe?

Klar ist: Das Ursprungskonzept hatte ganz andere Voraussetzungen als heute und Bergmann verstand unter New Work etwas ganz anderes als Scrum oder flexibles Arbeiten mit Slack, Microsoft Teams und co.

Im ursprünglichen Konzept ging es vor allem um Werte wie Freiheit und Selbstverantwortung. Doch hier schließt sich der Kreis: Freiheit und Selbstverantwortung sind auch heute, 50 Jahre nach dem ursprünglichen Konzept, relevanter denn je.

Doch weder damals noch heute ging es nicht in erster Linie darum, Mitarbeitern einfach mehr Freiheit oder mehr Verantwortung zu übertragen. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern die Freiheit geben, Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Allerdings müssen die Mitarbeiter die Freiheit auch wahrnehmen – sprich Verantwortung übernehmen. Denn klar ist auch: Es macht nicht viel Sinn, Menschen zu mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiheit zu zwingen.


Ist New Work heute nur ein Buzzword oder eine Chance?

Antwort:

Die Antwort ist aus meiner Sicht sehr klar: Für mich ist New Work viel mehr als nur ein Buzzword. Viel mehr als ein temporärer Hype oder eine nette Maßnahme für mehr Effizienz – auch wenn es leider vielfach nicht so verstanden wird.

Initiativen wie „Wir machen nun auch New Work, unsere Mitarbeiter haben einen Tag Home Office im Monat“ haben so überhaupt NICHTS mit New Work zu tun.

Mir ist sehr bewußt, dass das abgedroschen klingt, aber bei New Work geht es um viel mehr als nur Arbeit. Es geht im Kern um die Rückbesinnung zum Menschen und zu seinen Bedürfnissen. Es geht um die Suche nach dem Warum. Im Sinne von Bergmann geht es um das, was ich wirklich, wirklich will.
Und jeder muss eben dies für sich selbst herausfinden: Was will ich? Was kann ich? Aber auch: Was will ich nicht? Was kann ich nicht?

Es geht um den Menschen hinter der „Ressource“, der sehr viel mehr zu leisten fähig ist, wenn er einer für ihn sinnvollen Arbeit nachgeht, die ihn erfüllt.

Dies steckt im (leider ebenfalls inflationär genutzten) Begriff „Purpose„. Und eben diesen herauszufinden sind Unternehmen aufgefordert den Mitarbeitern helfen.

Gerald Hüther, der überaus bekannte und ganz wunderbare Neurobiologe, meint dazu, dass durch die ganzen Vorgaben, die uns unser Leben lang begleiten, ein falsches Verständnis von Lernen und Arbeit entstanden ist. Vielfach haben wir uns zu „willenlosen Zombies“ entwickelt, die tun, was sie überwiegend gar nicht tun wollen.

Um den Drang nach Selbstbestimmung und Sinnstiftung gerecht zu werden, gilt es die strengen Hierarchien zu hinterfragen, die noch immer in vielen Konzernen vorherrschen.

Wir haben gelernt, dass wir in Hierarchien leben, an denen es nichts zu rütteln gibt und tun, was andere von uns verlangen.

Gerald Hüther, onlinemarketing.de

Hüther glaubt, dass wir dieses System aufbrechen müssen, wieder lernen müssen zu lernen und uns so neu zu erfinden.

Durch Training, Belehrung, Belohnung oder Bestrafung ist der Mensch zum Objekt geworden. Alles was ein Mitarbeiter benötigt, um sich wieder frei zu entfalten und zu entwickeln, sind die richtigen Gelegenheiten dazu.

Dazu muss nichts von Außen geändert werden, es reicht in ihm etwas auszulösen und sich so selbst wiederzufinden. Ein Baustein von New Work ist damit die Begegnung von Menschen – und die gegenseitige Inspiration. So steht der Begriff auch für Menschlichkeit, Mut und Gemeinschaftssinn.

Apropos Gemeinschaftssinn: New Work dreht sich damit auch immer um ein gemeinsames Ziel und die Frage: Was wollen wir gemeinsam konkret erreichen?

In unserer schnellen und ungewissen VUCA Welt (vorangetrieben durch die digitale Transformation), brauchen wir eine grössere Selbstverantwortung und den Mut zu Entscheidungen.

So ist New Work eine Utopie, eine Haltung, eine Weltanschauung – und damit eine Möglichkeit den digitalen Wandel zu meistern. Nur wer mit seinen Mitarbeitern zusammen das Unternehmen und die Zusammenarbeit gestaltet, wird nachhaltig Erfolg haben.

Der zweite Teil mit noch mehr Tiefgang rund um New Work folgt im Frühjahr 2020 …

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