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Freundlichkeit als Superkraft – wenn du es ehrlich meinst #kindness

Ich bin derzeit im sommerlichen Kurzurlaub. Vielleicht liegt es daran, dass das Wetter so gut ist. Oder daran, dass hier fast nur andere Urlauber sind, die urlaubsbedingt nun mal gute Laune haben. Aber ich habe das Gefühl, dass hier alle total freundlich sind.
Doch war wäre eigentlich, wenn auch bei der Arbeit alle freundlich(er) wären? Denn dort sind aufgrund von Corona und dem damit verbundenen Homeoffice vor allem die zufälligen Begegnungen im Büro weggefallen. Doch genau diese sind für viele Mitarbeiter so wichtig. Für viele war es im Büroalltag ein Highlight, wenn ein Kollege auf dem Flur „Dankeschön“ oder jemand nach einer Präsentation „coole Präse, das war Klasse“ sagte.
Gerade in Zeiten der Pandemie und der Verlagerung der Arbeit in die Online-Meetings kann Freundlichkeit eine echte Superkraft sein. In diesem kleinen Beitrag möchte ich auf darauf eingehen, wieviel Kraft die Freundlichkeit hat. Denn Freundlichkeit hat die Macht, unsere Arbeit zu verändern.

Klar, natürlich ist es gut freundlich zu sein. Das sagt ja eigentlich schon der gesunde Menschenverstand, oder? Jeder, der sich halbwegs professionell darstellen möchte, tritt im Berufsleben mehr oder weniger freundlich auf.

Doch das ist nicht die Freundlichkeit, die ich meine. Vielmehr geht es mir um eine Freundlichkeit, die ehrlich gemeint ist. Freundlichkeit bedeutet, sich wirklich um andere zu kümmern.

Simon Sinek formuliert (wie so häufig) schlaue Gedanken – auch zum Thema „Freundlichkeit“. Diese möchte ich euch nicht vorenthalten:

What if we do something nice for someone with no expectation? Image what happens at work. But it must be genuine!

Simon Sinek, The Power of Kindness, YouTube

Ist Freundlichkeit out?

In unserer schnelllebigen Welt überwiegen häufig die Eigeninteressen – für Freundlichkeit scheint wenig Platz. Das liegt vielleicht auch an der Corona-Pandemie, bei der sich viele Menschen mit ihrem Kram beschäftigen.

Doch auch vor der Pandemie hatte man – zumindest wenn man gezielt darauf achtet – schnell den Eindruck, dass wir die Freundlichkeit verlernt haben. Im öffentlichen Raum gibt es sogar eine „perfektionierte Griesgrämigkeit“ zu beobachten.

Ein häufig verwendeter Ausspruch von Menschen im Zusammenhang mit Personen im Dienstleistungssektor ist: „Das ist aber ja doch auch sein Job“.

Wenn man im Eincafe ein Eis bestellt, so ist es natürlich auch der Job des Mitarbeiters das Eis in die Waffel zu tun und mir diese zu geben. Doch (vermutlich vor allem auch in Deutschland) ist die Attitüde „Ich bezahle dafür“ sehr eng mit „Ich muss also nicht freundlich sein“ verbunden. Viele agieren nach dem Motto: Schnell weg. Schnell umdrehen und die Person ignorieren, bevor man jetzt auch noch Augenkontakt riskiert.

So ist Freundlichkeit scheinbar aus der Mode gekommen. Wer freundlich ist, gilt als zu weich für diese Welt. Wer wirklich etwas erreichen will, der muss im Konkurrenzkampf bestehen. So hält sich in der Arbeitswelt hartnäckig die Annahme, dass man ein Arschloch sein muss, wenn man nicht ausgenutzt werden will.

Freundlichkeit hat es auch deshalb schwer in unseren Tagen, da man damit (vermeintlich) weder Respekt noch Prestige bekommt. Denn es geht dabei nun mal nicht um einen selbst, sondern um eine andere Person.

Pessimisten sehen im Egoismus den eigentlichen Antrieb des Menschen. In diesem Fall wäre Freundlichkeit nur eine Tarnung. Man ist gütig, um sich gut zu fühlen oder um seine eigentlichen Ziele zu erreichen. Bei der einen oder anderen Charity-Gala ist das wohl ziemlich sicher Fall.

So ist es letztlich wohl auch kein Wunder, dass bei fast keinem Unternehmen das Thema Freundlichkeit in Unternehmensleitbildern, Kompetenzmodellen oder in den Führungswerten auftaucht.

Sehr schade. Denn Freundlichkeit ist eine (teilweise vergessene) Superkraft. Denn Freundlichkeit kann unser Leben ändern.

Nett zu sein verändert unser Gehirn

Freundlichkeit steckt in eher unauffälligen Gesten: Man hält die Tür auf, obwohl der andere noch ein paar Schritte entfernt ist. Man bringt dem Nachbarn was vom Supermarkt mit, obwohl man dafür nochmal fahren muss. Man geht seinem freien Nachmittag zum Sportplatz und bringt Kindern das Fußballspielen bei.

Eigentlich ganz einfach. Und doch ist Freundlichsein eine anspruchsvolle Fähigkeit. Sie setzt voraus, dass man sich in den anderen hineinversetzt und mit ihm empfindet. Dies setzt Sensibilität voraus – die uns verletzlich macht (btw.: Verletzlichkeit ist eine weitere „Superkraft„).

Das Gute: Freundlichkeit hat viele positive Effekte, denen sich die meisten gar nicht bewußt sind:

In einer Studie an der Berkeley University berichteten die Teilnehmer, mehr Energie zu haben, nachdem sie einem anderen geholfen hatten. Sie fühlten sich optimistischer, stärker und selbstbewusster und verspürten deutlich mehr Gelassenheit.

In einem anderen Experiment der University of British Columbia sollten Menschen mit starken sozialen Ängsten in einem einmal täglich eine Freundlichkeit für andere tun. Also beispielsweise die Tür aufhalten, den Abwasch machen oder das Essen eines Freundes bezahlen. Die Teilnehmer waren schon nach vier Wochen in positiver Stimmung und viel zufriedener mit ihren Beziehungen.

Auch eine Harvard-Studie zeigte, dass Menschen, die Gutes tun – zum Beispiel Geld spendeten – glücklicher sind als andere.

„Wenn wir gut zu anderen Menschen sind, fühlen wir uns gut – als gute Menschen, optimistischer, positiver und moralischer.“

Dr. Sonja Lyubomirsky von der University of California

Und Forscher konnten noch weitere positive Effekte nachweisen, wenn wir Freundlichkeit bewusst kultivieren. Denn freundliches Handeln lässt Serotonin ausschütten und uns die Welt und uns selbst mit anderen Augen sehen. Das kann bspw. zu weniger Schmerzen und Bluthochdruck, zu weniger Ängsten und auch zu weniger Sorgen und Panikattacken oder Depressionen führen.

Die Vorteile der Freundlichkeit bei der Arbeit

Freundlichkeit ist für unsere Kollegen immens hilfreich. Anerkennung bei der Arbeit hilft, Burnout und Fehlzeiten zu reduzieren und verbessert das Wohlbefinden der Mitarbeiter, wie Gallup Jahr für Jahr in seinen Umfragen feststellt.

Ein Kompliment, anerkennende Worte und Lob zu erhalten, kann Menschen helfen, sich erfüllter zu fühlen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern, ihre Selbsteinschätzung zu verbessern und positive Emotionen auszulösen. Lob hilft uns bei unserer positiven Sicht auf uns selbst und bestätigt unseren Selbstwert.

An einem Remote-Arbeitsplatz kann Freundlichkeit ein wichtiger Aspekt sein, der sich in langfristiger Arbeitszufriedenheit niederschlägt.

Letztlich kann Freundlichkeit auch wichtig für die Erfüllung bei der Arbeit sein (neudeutsch „Purpose„), da es eine Investition in etwas Größeres als uns selbst bedeutet. Es prägt die Art und Weise, wie andere uns wahrnehmen als auch wie wir uns selbst sehen.

Was können wir tun?

Um Freundlichkeit in Unternehmen zu etablieren, können wir uns folgende Frage stellen:

  • Wird das Management für das Zuhören, Fürsorge und Verständnis für das Team belohnt?
  • Wenn Menschen Fehler machen, verzeihst du ihnen und bietest eine Möglichkeit, zu wachsen?
  • Wenn sich das Geschäft verlangsamt, entlässt du Mitarbeiter oder findest Sie einen Weg, sie zu halten?
  • Sind die Produkte und Dienstleistungen „freundlich“ zu deinen Kunden, deren Familien und der Umwelt?
  • Kommen die Mitarbeiter mit dem Gefühl zur Arbeit, sie können sie selbst sein und werden so akzeptiert, wie sie sind?

Eigentlich sind das aber auch keine großen Leitsätze, sondern vielmehr die Grundsätze für unser Leben.


Ein kleiner Hinweis am Ende: Der Autor Josh Bersin verweist auf eines seiner Lieblingsbücher: Das Buch „The Ride of a Lifetime“ von Bob Iger. Er meint, dass eines der Dinge, die man in Igers Karriere sieht, ist sein konsequenter Fokus darauf, Menschen zu unterstützen, Menschen zu verstehen und Menschen die Möglichkeit zu geben, zu wachsen. Das ist nicht nur „Growth Mindset„, es ist im Kern Freundlichkeit.

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