Verletzlichkeit

Verletzlichkeit als Quelle von Innovationen

Ich habe soeben festgestellt, dass ich im letzten Monat (Juni 2020) keinen Beitrag in meinem kleinen Blog veröffentlicht habe. Grund war vor allem meine Dozententätigkeit, die mich an den letzten Wochenenden stark in Anspruch genommen hat.
Auf der Suche nach einem neuen Thema bin ich über einen Beitrag von (der sehr inspirierenden) Lea-Sophie Cramer gestolpert. Titel ihres Postings: „Verletzlichkeit ist die Leadership-Superpower„.

Aus meiner Sicht ist das Thema „Verletzlichkeit“ super spannend und vor allem hoch aktuell. Denn gerade jetzt in der Corona-Krise müssen Unternehmen innovativ sein. Was „Verletzlichkeit“ damit zu tun hat? Eine ganze Menge! Dieser Beitrag zeigt, warum Verletzlichkeit ein großer Motivator für Kreativität und Innovation ist.

Klar ist: Alle sind von der Corona-Krise betroffen. Einige mehr, andere weniger. Doch für viele Unternehmen kann die Krise auch eine Chance sein. Eine Chance Dinge anders zu machen. Besser zu machen und bspw. neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Diese Möglichkeit sollten Unternehmen gerade jetzt mutig ergreifen. Während andere in Schockstarre sind, ist jetzt die richtige Zeit anzugreifen und Neues zu wagen.

Doch klar ist auch: In der Krise wollen Unternehmen ganz sicher eines nicht zeigen: Ihre Verletzlichkeit. Und doch braucht es jetzt die Bereitschaft, mit Unsicherheiten und auch Emotionen offen umzugehen. Und sogar noch mehr: Verletzlichkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Kreativität und Innovationen überhaupt entstehen können. So hat schon vor vielen Jahren die Forscherin Brené Brown herausgefunden, dass die Quelle von Innovation in dem Gefühl der Verletzlichkeit liegt. Doch was ist eigentlich unter Begriff der „Verletzlichkeit“ zu verstehen?

Was ist eigentlich „Verletzlichkeit“?

Jeder ist verletzlich. Manche zeigen dies mehr, andere weniger. Wir sind beispielsweise dann verletzlich, wenn wir nach Hilfe fragen. Wenn ich mich aufrichtig für etwas begeistere. Wenn ich mich auf etwas einlasse, ohne zu wissen, ob es die richtige Entscheidung ist. Wenn ich auf jemanden zugehe. Und dann, wenn ich Scheitern zulasse. So ist Verletzlichkeit auch immer mit Mut verbunden. Letztlich lässt Verletzlichkeit uns so sein, wie wir sind.

Das klingt schon wieder ziemlich esoterisch (ich hasse Esoterik!). Doch wie auch von Lea-Sophie Cramer beschrieben, hat Verletzlichkeit nichts mit Esoterik zu tun, sondern bringt ganz handfeste Vorteile für Teams und Unternehmen.

Info-Box: Wer ist Brené Brown?

Brené Brown ist DIE führende Sozial-Forscherin, die sich mit den Themen Verletzlichkeit, Scham, Mut und Selbstwertgefühl beschäftigt. In ihrer Arbeit zeigt sie auf, wie sehr Verletzlichkeit zu einer authentischen Lebensweise gehört. Für Brené Brown ist Verletzlichkeit die Voraussetzung von Innovation, Kreativität und Veränderung.
Weltweit bekannt wurde Brené Brown bereits vor 10 Jahren mit ihrem TED-Talk „The Power of Vulnerability„. Das Video wurde mittlerweile fast 50 Millionen Mal angesehen.

Wer will schon verletzlich sein?

Es ist schwer Verletzlichkeit zuzulassen. Meist weil man sich für etwas schämt. Viele haben Angst, dass man abgelehnt wird, wenn man sich öffnet. Es erfordert eindeutig Mut, um seine Probleme und Schattenseiten zu zeigen. Doch nur wer sich verletzlich zeigt, erfährt Verbundenheit und kann die eigene Scham überwinden.

Dabei schämen wir uns für alles mögliche. Für Niederlagen im Job. In der Ehe. Und überhaupt. Dabei honoriert die westliche Kultur (in anderen Kulturen ist es vermutlich auch nicht sehr viel anders) die vermeintlich Starken und Menschen wie Trump. Doch auch über das Phänomen Trump hinaus wird Rücksichtslosigkeit und Oberflächlichkeit (zumindest auf den ersten Blick) belohnt. Zu sehen unter anderem an den Influencern und der Jagt nach Likes.

Verletzlichkeit und Innovationen

Brené Brown berät mittlerweile Unternehmen und erklärt dort Bedeutung von Verletzlichkeit für die Arbeit. Dabei fragt Brown nach mutigen Handlungen, die vom Unternehmen getroffen wurden, die nicht ein hohes Maß an Risiko, Unsicherheit und emotionaler Bloßstellung mit sich geführt haben.

Die Antwort ist ganz einfach: Diese gibt es nicht!

Es gibt keinen Mut ohne Verletzlichkeit. Jede Firma auf der ganzen Welt verlangt nach mutiger Führung und klugen Risiken, um Innovation, Kreativität und Vertrauen zu ermöglichen. All diese Dinge basieren auf Verletzlichkeit.

Brené Brown, SZ Magazin »Verletzlichkeit ist der Schlüssel zu allem«

Die Wahrheit ist jedem zumutbar

Wir sollten Verletzlichkeit für uns nutzen und unsere Persönlichkeit zeigen. Indem wir beispielsweise Freude zeigen. Oder Dankbarkeit. Indem wir ehrlich sind. Indem wir Emotionen zeigen und zulassen.

Denn wenn wir uns über die Relevanz von Verletzlichkeit bewusst sind, so kann sich dies positiv auf die Innovationskraft von Unternehmen auswirken.

Denn laut Brown ist die Verletzlichkeit der größte Motivator für Kreativität und Innovation. Der Grund: Um etwas zu kreieren muss man verletzlich und mutig sein. Verletzlichkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Zugehörigkeit, Freude und Kreativität entstehen können.

Unternehmen und deren Mitarbeiter sollten den Mut entwickeln, sich für das einzusetzen, was ihnen wirklich etwas bedeutet. Spätestens an dieser Stelle schließt sich der Kreis zum Thema „New Work“. Denn bekanntlich geht es dort vor allem um die Suche nach dem, was einem „wirklich etwas bedeutet“. Nach dem, was man „wirklich, wirklich will“.

Drei Vorteile von Verletzlichkeit für New Work

Dies ist ein Blog rund um das Themenfeld New Work. So möchte ich abschließend nochmals aufzeigen, wie Verletzlichkeit einen Beitrag für New Work leisten kann:

  1. Stärkerer Zusammenhalt im Team: Wer um Hilfe bittet, stärkt den Zusammenhalt im Team. Teammitglieder sind achtsamer, gehen mehr aufeinander ein und nehmen mehr Anteil aneinander.
  2. Moderne Führung: Verletzlichkeit fühlt sich für einen selber oftmals als Schwäche an. Doch auf andere wirkt dies häufig ganz anders – Verletzlichkeit wird durchaus als mutig empfunden. Und genauso sollte Leadership heute sein: ehrlich und mutig.
  3. Psychologische Sicherheit: Der wichtigste Faktor beim Aufbau eines produktiven Teams ist die sogn. „psychologische Sicherheit„. Gemeint ist damit die Art, WIE die Teams zusammenarbeiten. Ob jeder seine Ideen einfach aussprechen kann, ob Ideen und Fragen ernst genommen werden. Ich denke auch hier kann Verletzlichkeit einen Beitrag leisten. Lassen Chefs und Teams Verletzlichkeit zu, so wirkt sich dies positiv auf die psychologische Sicherheit aus.

Was ist New Work?

Rund um den Begriff „New Work“ gibt es die wildesten Definitionen. Das sorgt für große Verwirrung. Doch was war eigentlich die ursprüngliche Idee von New Work? Und ist New Work heute mehr als nur ein Buzzword?

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